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1/60 Sekunde Um zu sehen, muss man manchmal einfach die Augen schließen...
Es ist der 12. Januar 2007, kurz vor acht Uhr. Im U-Bahnhof "L`fant Plaza" in Washington D.C. packt ein junger Mann seine Violine aus, stellt den Geigenkasten vor sich auf die Fliesen, wirft ein paar Münzen als "Wechselgeld" hinein und beginnt zu spielen. Er beginnt mit der "Chaconne" aus Johan Sebastian Bachs Partita No. 2 in d-Moll, einer der bedeutendsten Kompositionen für Violine- und eine, die höchste Anforderungen an den Musiker stellt. Der Künstler lässt weitere Stücke folgen, insgesamt spielt er 43 Minuten. In dieser Zeit kommen 1097 Menschen an ihm vorbei, es ist Rush-Hour, fast alle haben es eilig, sind auf dem Weg zur Arbeit. Sieben Menschen bleiben mindestens eine Minute stehen. 27 werfen Geld in den Kasten, etwas mehr als 32 Dollar kommen zusammen. 1070 Leute hasten also vorbei, die meisten wenden nicht einmal den Kopf. Keiner applaudiert. Niemand weiss, dass hier einer der besten Violinvirtuosen der Welt einige der größten Kompositionen für Violine auf einem der berühmtesten Instrumente, einer Stradivari von 1713, im Wert von 3,5 Millionen Dollar, spielte.
Achtlos vorbeigegangen- auf der Strasse hörten nur wenige dem weltberühmten Geiger Joshua Bell zu.
aus ethos 1-2010 www.ethos.ch
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